Über die Verdrängung

Dönerhaus 2016
Dönerhaus 2016

Das ist ein Bild vom ehemaligen „Dönerhaus“ in der Schwanthalerstrasse, welches symptomatisch für die Vorgehensweise der Spekulanten ist bzw. in diesem Fall war. Anstelle das Objekt zu sanieren und den in München dringend benötigten neuen Wohnraum zu schaffen, stand es jahrelang leer. Der Eigentümer hat auf einen höheren Verkaufspreis spekuliert und damit letztendlich Erfolg gehabt. Die neuen Eigentümer wollen nun anstelle neuen Wohnraums ein Aparthotel dort errichten.

„“Ein B&B für Besserverdienende“ konstatierte Dominik Lehmann (Linke) trocken die Entwicklung in der jüngsten Bezirksausschusssitzung. „Nicht das, was das Viertel braucht.“ Die stellvertretende Bezirksausschuss-Vorsitzende Ulrike Boesser (SPD) erinnerte daran, dass dem ehemaligen Hausherrn ein Hotel an der Stelle schon vor zwölf Jahren genehmigt worden sei. „Auch wenn dort jetzt kein Hotel gebaut werden würde, bei dem Preis, den der neue Eigentümer gezahlt hat, wäre es auch nie preisgünstiger Wohnraum geworden.“

Quelle : SZ vom 23.10.2020 von Andrea Schlaier, Schwanthalerhöhe
Wohnraum für Alle
Wohnraum für Alle

Ich bin immer wieder verwundert, wie wenig das die Leute dann doch interessiert bzw. wie wenig sie sich darüber öffentlich äußern und ihre Stimme dagegen erheben. Ist dann mal die Möglichkeit dazu gegeben, kommt ein kleiner Haufen zusammen, bestehend aus den Organisatoren und zufällig stehengebliebenen Passanten. Dabei ist das Problem erdrückend und betrifft jeden, der Monat für Monat seine Miete in München zusammenkratzen muss. Warum ist das so? Resignation und das Gefühl der Machtlosigkeit scheint die Antwort darauf zu sein. Und so dreht sich dann die Spirale weiter. Der Einzelne sieht darin sein persönliches Problem und zieht irgendwann weg, dahin, wo es günstiger ist. Als Folge davon wird der frei gewordene Wohnraum wiederrum luxussaniert und sehr gut verdienenden Fach-und Führungskräften angeboten, die über ein Einkommen von jenseits der 100000,- € p.a. verdienen. Das klingt viel, ist aber angesichts der eigentlichen Vorgabe, dass die Wohnkosten nicht mehr als 30% des Einkommens betragen sollten, eine durchaus realistische Zahl.

Was kann der Einzelne dagegen unternehmen? Zunächst mal nicht viel. Das Wichtigste wäre die Erkenntnis der Bürger, dass dieses Problem eben nicht individuell zu lösen ist.

2 Antworten auf „Über die Verdrängung“

    1. Danke, Tilman. Vielen Dank für’s Lob. Ja, das ist eine traurige Sache hier. Ich denke, jeder, der nicht zu den paar Prozent wirklich Vermögenden, kein Eigenheim oder ein noch nicht abbezahltes hat, kann sich seines Daches über dem Kopf nicht mehr sicher sein. In München, Berlin oder Hamburg ist es besonders schlimm, aber ich denke, bei Euch in Flensburg geht es auch los. Wir haben ja glücklicherweise die Genossenschaftswohnung. Das ist die einzige Antwort der „Besitzlosen“ auf die Spekulation der Grundbesitzer. Leider spielt da ja Lobbyistentum im Bundestag eine grosse Rolle. Vonovia und Benko dürfen da über das Bodenrecht mitzuentscheiden. Wir bräuchten dringend eine Bodenreform, die die Spekulation gnadenlos besteuert. Den Kommunen, die das Problem jeden Tag vor die Füsse geschmissen bekommen, sind ja durch das Bundesrecht die Hände gebunden.

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